Faszination Schweiz
In der Kindheit
Schon seit meiner Kindheit hatte die Schweiz irgendetwas Magisches für mich. War in den Nachrichten immer als ein Hort der Stabilität erwähnt, mit internationalen Konferenzen und Organisationen in Genf, Rotes Kreuz, usw. Seit Napoleons Zeiten nicht mehr in Krieg verwickelt, weder erster noch zweiter Weltkrieg. Aufbau von Wohlstand, stabile Währung. Aber das war es nicht, was mich als Kind interessierte: es war die Landschaft. Mit den Eltern sind wir ja in den 1970ern im Winter in die Berge gefahren, daher waren die Alpen für mich immer DAS Urlaubsgebiet. Meer und Küste kannte ich damals überhaupt nicht, es war im Urlaub immer Skifahren angesagt, in den Dolomiten. Von der Schweiz hatte ich schon gehört, daß dort die Berge noch viel höher seien als anderswo in den Alpen, das wollte ich irgendwann mal sehen. Aber es war für uns dort zu teuer...
Anfang der 1970er las ich auch mal ein Kinderbuch, da ging es im Kasperl und Sepperl, die waren zwei bayerische Kumpels; und da war auch eine sehr arrogante Prinzessin, welcher die beiden sehr gerne Streiche spielten. Dann aber wurde die Prinzessin von Verbrechern entführt, nach Lugano, Und Kasperl und Sepperl befreiten sie dann. War eine schöne Geschichte, und "Lugano" hörte sich so verlockend ungewöhnlich an. Das wollte ich mir irgendwann mal anschauen. (Hab es bis heute noch nicht angeschaut...).
Weiterhin faszinierten mich auch die Schweizer Schriftsteller, die wir gegen Ende der 1970er Jahre im Schulunterricht behandelten. Dürrenmatt las ich sehr gerne, aber insbesondere Max Frischs Bücher haben mich sehr fasziniert. In den Jahren bis etwas 1984 las ich fast alles seine Werke.
Erster Urlaub in der Schweiz: 1979
Jedenfalls dauerte es bis 1979, bis ich endlich mal die Schweiz von innen sah. Wir machten zum ersten Mal einen Sommerurlaub in den Alpen, also kein Skifahren. Und wir waren 3 Familien, Freunde meiner Eltern. Die Hinfahrt war genau geplant von Fritz Stoye, der sich sehr gut auskannte mit dem, was man gesehen haben musste: mit der Autofähre von Friedrichshafen nach Romanshorn, dann weiter durch das Appenzeller Land, dann am Vierwaldstätter See auf der Axenstraße entlang, Richtung Gotthard-Pass.
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| Urner See, östlicher Arm des Vierwaldstäter Sees (1979) |
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| Schiff auf dem Urner See (1979) |
Hoch auf der Straße durch die Schöllenenschlucht - alles sehr beeindruckend! Dann über den Furkapass, den Rhonegletscher anschauen und hineingehen.
Alles in allem absolut faszinierend. Wir mieteten ein Chalet im Wallis, Chalet "Casanu", und dort verbrachten wir 3 schöne Wochen.
Natürlich besuchten wir auch Zermatt, wo das Matterhorn alles überragt.
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| Matterhorn oberhalb von Zermatt (1979) |
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| Mit der Bahn hoch zum Gornergrat (1979) |
Mein Schulfreund Harri, der bei diesem Urlaub auch dabei war, schenkte mir nach der Reise ein Buch: "Traumstraßen der Schweiz" (1976). Von da ab war ich sehr gut informiert über die verschiedenen Gebiete und Kantone, und ich suchte mir verschiedene Routen heraus, die ich mal befahren würde.
Weitere Aufenthalte
Auch die nächsten Sommerurlaube verbrachte ich mit meinen Eltern im Wallis, wie mieteten dort eine Ferienwohnung. Ich lernte dort den Künstler Francois Wyrsch kennen, mit dem wir eine Wanderung unternahmen und uns ab und zu zum Kaffee oder Abendessen trafen. Es faszinierte mich, wie dieser Mensch trotz seiner Gehbehinderung sein Leben meisterte und Gemälde schuf. Er hatte ein paar Jahre in Kanada gelebt, was mich auch sehr faszinierte. Das wollte ich später auch einmal machen: eine Zeit im Ausland verbringen.
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| Francois und Ida Wyrsch (1981). |
Francois verstarb leider schon 1993 an Krebs. Vor kurzen bekam ich aus seinem Nachlass ein schönes Bild, das er 1981 gemalt hatte.
Bei unseren Urlauben machten wir einmal einen Ausflug ins Tessin, über den Simplonpass. Damals (1980) war die Brücke der neuen Simplonstraße noch im Bau.
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| Brücke der Simplonpass-Straße im Bau (1980) |
Da bei fuhren wir auf der Hinfahrt durch das enge Centovalli, entlang der historischen Schmalspur-Bahnlinie.
Mit dem Camper in der Schweiz
Nach meiner Schulzeit war ich noch 2x mit den Eltern im Wallis, 1984 und 1986. Danach war erstmal Pause mit Schweizurlaub. Studium war angesagt, dann erste Arbeitsstelle, in München. Von dort aus fuhren meine Frau und ich dann ein paarmal in die Schweiz, u.a. auch an den Lago Maggiore. Ein paar Dinge anschauen, die ich noch nicht gesehen hatte.
Dann kam der lange Auslandsaufenthalt, 21 Jahre, den ich mir schon in der Jugendzeit vorgestellt hatte. Wenn ich dann mal kurz zurück in Deutschland war, nutzten wir ein paarmal die Gelegenheit für kurze Ausflüge in die Schweiz, so z.B. 2010
Als ich dann ab 2017 wieder in DE arbeitete, war ich ab und zu mit meinem Camper LDV-400 Convoy unterwegs. Weil die Schweiz von Stuttgart aus nur 2 Stunden entfernt war, wurde dies zu meinem Hauptziel in den folgenden Jahren. Ich fuhr mit dem 3,5-Tonner einige der Pässe hoch und übernachtete oft auf dem Campingplatz Remo-Camping in Altdorf.
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| Rückseite des LDV 400 Convoy Campers, mit den Aufklebern von den befahrenen PAss-Straßen. |
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| 1.August, Nationalfeiertag in der Schweiz. |
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| Am Sustenpass (2022). |
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| Am Gotthardpass (2019). |
Ein Camping-Häuschen
Damals begann ich mich für "Rustici" zu interessieren. Das sind alte Stall-Gebäude, landwirtschaftlich genutzt, die man umwandeln kann in Ferienwohnungen. Viele dieser Ställe stehen leer, ungenutzt, verfallen, da die Menschen aus den ländlichen Gebieten wegziehen. Insbesondere im Tessin ist diese Landflucht sehr ausgeprägt.
Im Laufe der Zeit sah ich, wie diese Rustici jedes Jahr teurer wurden. Man musste da auch oftmals sehr viel ausbauen, manche waren noch nicht ans Stromnetz angeschlossen, hatten keine Wasserversorgung. Das wäre alles viel Arbeit...
Da sah ich eines Tages auch etwas günstigeres angeboten: sog. "Campinghäuschen". So ein Campinghäuschen ist im Prinzip ein Wohnwagen, der nicht mehr bewegt wird, sondern statisch auf einem Campingplatz steht. Oftmals ist dort noch ein Vorbau mit dem Caravan fest verbunden. Manchmal sind das auch feste kleine Holzhäuser, in denen man ganzjährig wohnen kann.
Im September 2024 schaute ich mich einmal um und besichtigte drei dieser angebotenen Campinghäuschen, eines in jeder Preisklasse: 10.000 SFr, 20.000 SFr, und 30.000 SFr. Jedes hatte etwas besonderes, aber ich konnte mich für keines entscheiden, denn jedes hatte auch ein paar "Shortcomings". Dann gab mir ein anderer Bewohner eines dieser Campinghäuser einen gedruckten Flyer, auf dem noch ein solches Haus angeboten war, auf einem nahegelegenen anderen Platz in Salgesch im Rhonetal. Das schaute ich mir dann von außen an, es gefiel mir. Auf der Rückfahrt nach DE traf ich dann den Besitzer, und er wagte, er würde mir ein Angebot für den Kauf dieses Hauses machen.
Und das tat er dann auch nach ein paar Tagen - und ich griff zu. Damit hatte ich ab Oktober 2024 ein kleines Wohneigentum in der Schweiz. Sehr schön gelegen, sehr gut per Autobahn ohne Pass-Straße winterfest zu erreichen. Eine jährliche Platzmiete muss gezahlt werden, aber der Caravan selbst mit Vorbau gehört mir. Ist ein schöner Platz, mit etwa 200 qm Grund. Da ist eine Wiese mit schönen Sträuchern und einer Hecke, ein paar alte hohe Bäume sind auch da.
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| Campinghaus im Sommer. |
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| Campinghaus im Winter. |
Im Herbst 2024 verbrachte ich dort einige Wochen, dann auch im Winter 2024/25. Ideal, um die nahegelegenen Skigebiete zu erreichen. Während 2025 war ich mehrmals hier, um ein paar Sachen zu verbessern: Dachinsulation im Vorbau, Gästebett im Vorbau, Dieselheizer im Caravan.
Dieses Domizil darf nicht als Vollzeit-Wohnsitz genutzt werden, man darf also nur max 6 Monate hier wohnen. Ist nur für Ferien gedacht.
Hauskauf im Tessin
Jetzt bekam ich aber Appetit auf mehr: die Idee mit einem Rustico im Tessin ging mir weiterhin im Kopf herum, und so schaute ich mir im April 2025 vier solche angebotenen Gebäude im Tessin an. Da war kein echtes Rustico dabei, sondern das waren richtige Wohnhäuser, die man gleich bzw. nach etwas Innenausbau nutzen konnte. Alle mit Strom- und Wasserversorgung. Einige sehr interessante Gebäude waren dabei. Eines aber gefiel mir gleich: ein kleines Haus im Centovalli, oberhalb des Tales im Bergdorf Moneto.
Das Haus hat 70 qm Wohnfläche, ist also nicht sehr groß, reicht aber für mich alleine völlig aus. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich, das Haus zu kaufen.
Die ganze Prozedur eines Hauskaufes durch einen Nicht-Schweizer zog sich länger hin als ich gedacht hatte, aber Anfang Dezember 2025 hatte ich dann die Schlüssel in der Hand, und ich war Besitzer dieses Hauses.
Im Winter 2025/26 stand das Haus leer, ich stellte kleine Elektro-Radiatoren auf, damit die Wasserleitung nicht einfriert. Im April 2026 begann ich dann, erste Renovierungen vorzunehmen: zuerst die Küche im EG, denn dort ist der Haupteingang. Das ist das erste Zimmer, das man im Haus betritt.
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| Kater Socke inspiziert alles - es gefällt ihm. |
Die anderen Zimmer muss ich noch herrichten: erstmal Wände streichen, dann die Einrichtung anpassen.
Das Dorf Moneto
Ab 1.Januar 2027 werde ich in Rente sein. Dann werde ich einige Wochen im Haus in Moneto verbringen, damit ich sehe, wie das hier im Winter ist und ob die Heizung ausreicht. Um auch bei Schneefall und nicht geräumter Straße den Han hoch nach Moneto zu kommen (von 500 m auf 770m), habe ich mir bereits ein Allrad-Fahrzeug gekauft.
Schweiz als Zufluchtsort, Tessin als kreatives Domizil
Für viele kreative Menschen war das Tessin ein Ort, an dem sie in Ruhe ihre Kreativität pflegen konnten. Beispiele sind Schriftsteller wie Max Frisch, Golo Mann, Alfred Andersch, die im Ort Berzona ihren Aufenthaltsort hatten.



























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